Parodontologie (Zahnfleischbehandlung)

Die Parodontalerkrankung oder Parodontose (eine häufige, aber nicht korrekte Bezeichnung) ist die häufigste Erkrankung der Mundhöhle. Ihre Folgen sind ein fortschreitender Verlust des Kieferknochens und damit der Verlust ansonsten unbeschädigter Zähne. Die Erkrankung beginnt mit Zahnfleischbluten oder Gingivitis (akuter Zahnfleischentzündung), deren Ursache eine mangelhafte Mundhygiene ist, und setzt sich mit der Schädigung des Zahnfleisches und des Kieferknochens fort. Die Behandlung umfasst Verfahren zur Entfernung von Zahnbelägen und geschädigten Wurzeloberflächen: Scaling und Wurzelglättung.
Eine Parodontalerkrankung verursacht die Bildung von Zahnfleischtaschen und einen fortschreitenden Knochenverlust um die Zahnwurzeln. Die Taschentiefe wird mit einer Parodontalsonde gemessen.
Die Parodontalerkrankung beziehungsweise die Erkrankung des Zahnhalteapparats ist ein Problem, dem wir in Zahnarztpraxen täglich begegnen. Die meisten Menschen sind sich überhaupt nicht bewusst, dass sie an der Erkrankung leiden, da diese insbesondere zu Beginn meist ohne größere subjektive Beschwerden verläuft, die den Patienten auf ihr Vorhandensein aufmerksam machen würden. Die Erkrankung ist multifaktoriell, wird also von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Zur Entstehung der Erkrankung tragen vor allem Faktoren bei, die wir selbst beeinflussen können: Hygiene, Rauchen und Stress. Das Schema zeigt die wichtigsten Faktoren und den Entstehungsmechanismus der Erkrankung.
Die Diagnose wird mithilfe einer klinischen Untersuchung gestellt, bei der gewöhnlich Zahnbeläge festgestellt werden. Zahnstein kann unterhalb des Zahnfleischrandes gesehen oder mit Sonden ertastet werden. Bei Berührung blutendes Zahnfleisch weist auf das ständige Vorhandensein von weicher dentaler Plaque hin, die zahlreiche Bakterien enthält, welche eine Zahnfleischentzündung verursachen. Röntgenaufnahmen bilden die Grundlage der Krankheitsdiagnostik. Sie liefern Informationen über die Menge des verlorenen Alveolarknochens (der die Zahnwurzeln umgebende Knochen), was für die Bestimmung des Schweregrades und der Komplexität der Erkrankung entscheidend ist. Das Ausmaß des Knochenverlustes und die Tiefe der Zahnfleischtaschen werden mit speziellen skalierten Parodontalsonden gemessen. Die Tiefe der Zahnfleischtaschen ist der wichtigste Wert, der die Art der Behandlung und die Prognose der Erkrankung bestimmt.

Die Behandlung der Erkrankung umfasst vor allem Maßnahmen zur Verringerung oder Beseitigung von Krankheitsfaktoren, die wir auch selbst beeinflussen können. In erster Linie müssen sich die Patienten der Bedeutung der Mundhygiene, der Gefahren des Rauchens und der Auswirkungen eines stressreichen Lebens bewusst sein. Die Herstellung und Aufrechterhaltung einer angemessenen Mundhygiene, einschließlich der Verwendung von Interdentalbürsten, Zahnseide, elektrischen Zahnbürsten usw., ist für die Behandlung der Parodontalerkrankung von wesentlicher Bedeutung. Ohne die Einhaltung der Hygieneanweisungen wäre die Therapie völlig erfolglos. Sobald die Patienten die erste Behandlungsphase, also die Mundhygieneunterweisung, verstanden haben und umsetzen, kann die Therapie fortgesetzt werden. Das Ziel besteht darin, Zahnbelag und Zahnstein zu entfernen, die die Patienten nicht selbst beseitigen können. Wir unterscheiden folgende therapeutische Verfahren:
  • Scaling von Zahnstein und Plaque von der Oberfläche der Zahnkrone und der Zahnwurzel. Ablagerungen werden auch aus Bereichen der Wurzel und des Zahnhalses unterhalb des Zahnfleischrandes entfernt.
  • Wurzelglättung (Root Planing) ist ein Verfahren, bei dem Wurzelzement und Teile des Dentins von der Wurzeloberfläche entfernt werden, also Zahngewebe, das durch die in den Zahnbelägen vorhandenen Bakterien zu stark geschädigt wurde.
  • Kürettage entfernt die betroffenen Teile der weichen parodontalen Gewebe, welche die Innenwand der Zahnfleischtasche bilden.

Die beschriebenen Verfahren werden mit manuellen oder maschinellen Instrumenten durchgeführt. Die bekanntesten und am häufigsten verwendeten manuellen Instrumente sind die sogenannten Gracey-Küretten. Die konkav geformten Klingen passen sich ausgezeichnet an die Formen der Zahnwurzeln an. Für die einzelnen Zahngruppen stehen unterschiedlich geformte Küretten zur Verfügung. Harte und weiche Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischrandes können damit wirksam und schnell entfernt werden. Neben klassischen Stahlinstrumenten verwenden wir auch Kunststoff- und Titaninstrumente zur Behandlung von periimplantärer Mukositis und Periimplantitis. Entzündete Gewebe um Zahnimplantate stellen nämlich den Hauptgrund für deren Verlust dar. Mit Küretten glätten wir auch Wurzelbereiche, die Zahnfleischtaschen ausgesetzt waren und durch krankheitserregende Bakterien geschädigt wurden.

Maschinelle Instrumente, mit denen dieselben Ziele wie mit manuellen Instrumenten erreicht werden sollen, werden in Schall- und Ultraschallinstrumente unterteilt. Die Arbeitsspitzen, mit denen schwer zugängliche Bereiche der Zahnfleischtaschen erreicht werden können, schwingen bei Schallinstrumenten mit einer Frequenz von 8.000 Hz. Die Größe der Schwingungen beziehungsweise ihre Amplitude beträgt 1.000 µm. Ultraschallinstrumente schwingen mit einer Frequenz von 40.000 Hz wesentlich schneller, wobei die Schwingungen deutlich kleiner sind. Die Schwingungsamplitude beträgt lediglich 100 µm. Maschinelle Instrumente erleichtern und beschleunigen unsere Arbeit, die Genauigkeit der Belagsentfernung ist jedoch nicht so hoch wie bei der Arbeit mit manuellen Instrumenten. Die bei der Reinigung angewandte Kraft ist geringer, da das Gerät lediglich an die Oberfläche des Zahnhalses und der Wurzel angelegt wird, was bei Küretten nicht der Fall ist.

Ultraschallinstrumente dürfen bei Patienten mit implantierten Herzschrittmachern nicht verwendet werden. Die elektrischen Impulse, welche die Schwingung der Spitze verursachen, könnten die Funktion des Herzschrittmachers stören. Zu unserer eigenen Sicherheit verwenden wir bei Patienten mit HIV oder Hepatitis keine Ultraschallinstrumente. Mikroskopisch kleine Tröpfchen oder Aerosole, die bei Ultraschallschwingungen entstehen, werden trotz der Verwendung leistungsstarker Absauginstrumente weit über das Arbeitsfeld hinaus in der Luft verteilt. Diese Geräte können auch für bestimmte festsitzende prothetische Arbeiten wie Keramikkronen oder ästhetische Veneers eine Gefahr darstellen. In den genannten Fällen verwenden wir anstelle von Ultraschallinstrumenten Schallgeräte, die für die Schwingung ihrer Arbeitsspitzen Druckluft statt elektrischer Impulse nutzen.

Sowohl die manuelle als auch die maschinelle Therapie verursachen ein mehr oder weniger starkes Zahnfleischbluten und ermöglichen dadurch auch das Eindringen der in den Belägen vorhandenen krankheitserregenden Bakterien in den Blutkreislauf. Eine Bakteriämie könnte für Patienten mit Endokarditis tödlich sein, weshalb sie vor dem Eingriff antibiotisch abgeschirmt werden müssen. Es ist ebenfalls sinnvoll, dass Patienten vor den Eingriffen den Mund mit milden chlorhexidinhaltigen Antiseptika ausspülen. Dadurch wird die Bakterienkonzentration im Arbeitsbereich zusätzlich verringert. In der Praxis verwenden wir am häufigsten eine Kombination aus manueller und maschineller Schallentfernung von Belägen.

In letzter Zeit kommt bei der Therapie der Parodontalerkrankung auch der Laser zum Einsatz. Die Therapie ist teuer und anspruchsvoll und kann bei Unachtsamkeit eine Überhitzung des Arbeitsbereichs verursachen. Die Ergebnisse sind mit der klassischen manuellen Therapie mithilfe der oben beschriebenen Küretten vergleichbar.

Die Anwendung systemischer Antibiotika zur Behandlung der Parodontalerkrankung ist auf bestimmte Patientengruppen beschränkt, bei denen eine lokale mechanische Therapie zur Verringerung der lokalen Zahnfleischentzündung allein nicht ausreichen würde. Zu dieser Gruppe gehören bestimmte systemische Erkrankungen und besondere destruktive Formen der Parodontalerkrankung. In der Praxis hat sich die Kombination aus Amoxicillin/Clavulansäure und Metronidazol bewährt.

Eine Schwangerschaft stellt keine absolute Kontraindikation für die Behandlung der Erkrankung dar. Frauen sollten zwar mit gesundem Zahnfleisch schwanger werden, da einige international anerkannte Studien Ergebnisse vorlegen, die darauf hinweisen, dass die Erkrankung bei Schwangeren zu einem geringeren Geburtsgewicht der Neugeborenen beitragen könnte. Benötigt eine Schwangere eine Behandlung, sollte diese am besten zu Beginn des zweiten Trimesters durchgeführt werden.

Nach der Therapie klagt etwa die Hälfte der Patienten über überempfindliche Zähne. Diese Überempfindlichkeit nimmt meist zwischen der ersten und dritten Woche nach der Therapie zu. Nach der dritten Woche nimmt sie gewöhnlich ab. Die Reizempfindlichkeit ist bei Patienten, die die Hygieneanweisungen konsequent befolgen, wesentlich geringer. Auf die Möglichkeit dieser Komplikation werden die Patienten bereits vor Beginn der Therapie hingewiesen. Nach der Therapie werden die Patienten zu Kontrolluntersuchungen einbestellt, bei denen wir uns vor allem der Beurteilung der Mundhygiene widmen. Wir weisen auf Stellen hin, an denen sich Plaque ansammelt. Eine Wiederholung der Therapie im gleichen Umfang wie bereits durchgeführt führt nicht zu einer wesentlichen Verbesserung des Zustands.

Die beschriebenen Verfahren liefern bei Zahnfleischtaschen, die nicht tiefer als 6 mm sind, sehr gute Ergebnisse. Schwere Formen der Parodontalerkrankung, insbesondere an den Zähnen im transkaninen Sektor (Prämolaren und Molaren), sind ein Grund für einen offenen beziehungsweise chirurgischen Ansatz zur Entfernung von Belägen und irreversibel geschädigten dentalen und parodontalen Geweben. Chirurgische Verfahren werden immer mit nichtchirurgischen Verfahren kombiniert. Nichtchirurgische Verfahren (Scaling und Wurzelglättung) sind eine Voraussetzung für den Erfolg chirurgischer Verfahren und stellen immer die Einleitung der Therapie dar.

Das Ziel der Therapien besteht darin, die Tiefe der Zahnfleischtaschen und die Zahnbeweglichkeit zu verringern. Die Mitarbeit des Patienten durch Befolgung der Mundhygieneanweisungen und die fachgerechte Behandlung gewährleisten den Erfolg. 
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