Parodontitis ist zwar eigentlich eine ungenaue Bezeichnung für eine Parodontalerkrankung, hat sich jedoch sowohl bei Patienten als auch bei Therapeuten eingebürgert. Die Erkrankung betrifft alle Gewebe des Zahnhalteapparats: Zahnfleisch, Wurzelhaut und Kieferknochen, also alle Strukturen, die den Zahn im Kiefer halten. Im Endstadium hat die Erkrankung daher eine logische Folge: Zahnverlust. Die Hauptursache der Parodontitis ist das Vorhandensein von Zahnbelag beziehungsweise Bakterien, die sich davon ernähren, anders gesagt eine schlechte Mundhygiene. Rauchen und Stress verschlechtern den Zustand zusätzlich in erheblichem Maße. Eine unzureichende und mangelhafte Erkennung der "Parodontitis", unzureichende Dokumentation sowie eine schlecht geplante und unangemessene Behandlung der Erkrankung führen daher am häufigsten zum Verlust von Zähnen und prothetischem Zahnersatz sowie zu Streitigkeiten zwischen Patienten und Therapeuten.

Zahnärzte sollten entzündetes (erkranktes) Parodontalgewebe vor Beginn einer konservierenden oder prothetischen Versorgung behandeln. Studien zeigen, dass diese Behandlungen bei gesundem Parodontalgewebe und guter Plaquekontrolle eine deutlich bessere Prognose haben.

Die klinischen Anzeichen einer Parodontitis, beziehungsweise korrekt einer Parodontalerkrankung, sind eine Zahnfleischentzündung und die daraus folgende Blutung (zu Hause beim Zähneputzen, in der Praxis beim Sondieren). Die Sondierungstiefe der Zahnfleischtaschen ist erhöht. Rezession beziehungsweise Rückgang des Zahnfleisches vom Zahnhals, Zahnlockerung, Zahnwanderung, Knochenverlust um den Zahn und Mundgeruch sind Anzeichen, die auf die ersten Symptome folgen. Ein guter Indikator für gesundes Zahnfleisch ist das Ausbleiben von Blutungen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Rauchen die klinischen Anzeichen der Erkrankung verschleiert, sodass das Zahnfleisch auf den ersten Blick gesund erscheinen kann.
Die klassische Untersuchung zum Nachweis einer Parodontalerkrankung ist die Sondierung der Zahnfleischtaschen mit einer Parodontalsonde.

Die Sonde besitzt eine kugelförmige Spitze mit einem Durchmesser von 0,5 cm und Tiefenmarkierungen von 3,5 bis 5,5 mm (WHO-Sonde 612). Die grundlegende parodontale Beurteilung ist eine Screening-Methode, die vor Beginn der Behandlung erforderlich ist. Sie stellt einen Index dar, der den Behandlungsbedarf und nicht das Stadium der Parodontalerkrankung bestimmt.
Zur Beurteilung des Stadiums beziehungsweise des Fortschreitens der Erkrankung wird das Ausmaß des Verlusts des epithelialen Attachments herangezogen. Röntgenaufnahmen sind ein wichtiges Hilfsmittel bei der Beurteilung des Krankheitsstadiums beziehungsweise der Betroffenheit des Knochens um den einzelnen Zahn. Bei einem Wert von 3 oder höher müssen lokale Röntgenaufnahmen beziehungsweise Bissflügelaufnahmen angefertigt werden.

In der Praxis müssen wir Risikofaktoren erkennen, die eine Parodontalerkrankung beschleunigen können: Rauchen, genetische Faktoren, Diabetes... Patienten mit einer Kombination von Risikofaktoren benötigen besondere Aufmerksamkeit. Das Erkennen eines klinischen Risikobildes umfasst mehrere Anzeichen:
  • Werte 3, 4 bei einem Patienten unter 35 Jahren (Werte in der obigen Tabelle)
  • Rauchen ≥ 10 Zigaretten täglich
  • Diabetes, Stress, Einnahme bestimmter Medikamente
  • Form der Zahnwurzeln und Zahnzwischenräume, die Reinigung und Behandlung erschweren
  • schnelles Fortschreiten der Erkrankung (Attachmentverlust ≥ 2mm innerhalb eines Jahres)
  • starke Zahnfleischblutung beim Sondieren trotz guter Hygiene
  • die Familienanamnese weist auf einen hohen Anteil an Zahnverlusten aufgrund einer Parodontalerkrankung hin
  • schlechte Hygiene
Wert Klinische Anzeichen Behandlungsmethode
0 Keine Blutung, Sondierungstiefe der Taschen ≤ 3 mm Keine Behandlung
1 Zahnfleischblutung beim Sondieren Anweisungen zur Mundhygiene
2 Plaque, Sondierungstiefe der Taschen ≥ 3,5 mm Hygieneanweisungen, Scaling und Wurzelglättung
3 Sondierungstiefe ≥3,5 bis 5,5 mm Hygieneanweisungen, supra- und subgingivales Scaling und Wurzelglättung
4 Sondierungstiefe ≥ 5,5 mm Bestimmung des Krankheitsstadiums, chirurgische und andere Verfahren

Eine gute Mundhygiene ist entscheidend für eine erfolgreiche Therapie. Plaque muss einfach und wirksam mithilfe von Interdentalbürsten und nicht nur mit größeren herkömmlichen Zahnbürsten entfernt werden. Elektrische Zahnbürsten sind wesentlich effektiver. Eine kürzlich durchgeführte Studie zeigte, dass die Verwendung von Zahnseide keinen Einfluss auf die Verringerung der Plaquemenge hat und damit auch nicht auf das Auftreten (den Index) von Zahnfleischblutungen. In Zahnarztpraxen stehen wir am häufigsten vor der Herausforderung, Patienten zu einer angemessenen Mundhygiene zu motivieren, da das Reinigen gewöhnlich nicht sofort den erwarteten Effekt zeigt. Zu Beginn blutet das Zahnfleisch nämlich noch stärker, ebenso werden die Zwischenräume zwischen den Zähnen größer (durch die Verringerung der Entzündung), was das Vertrauen des Patienten in die gegebenen Anweisungen negativ beeinflusst.