Tomaž Rotar weiß einiges über Leben und Tod unter extremen Bedingungen. Im Februar 2021 saß der slowenische Oralchirurg in einem beengten Zelt auf 7.300 Metern Höhe am K2, dem zweithöchsten Berg der Welt. Mehr als 20 Bergsteiger hatten sich im Dunkeln auf dem verschneiten Felsvorsprung versammelt und das Lager bei zunehmend stärkerem Wind und Temperaturen erreicht, die bereits unter –30 °C lagen.
 

Um noch eine Chance zu haben, den Gipfel zu erreichen, bevor sich das ersehnte Wetterfenster schloss, mussten sie beinahe sofort wieder aufbrechen.
 

Die meisten Bergsteiger dort handelten in jener Nacht vernünftig; sie blieben im Lager und stiegen bei Tagesanbruch ab. Viele mussten dabei die Tatsache hinnehmen, dass sie den Bergführungsunternehmen mindestens 20.000 Pfund für die Chance auf eine Gipfelbesteigung im Winter gezahlt hatten – eine Leistung, die erst wenige Wochen zuvor zum ersten Mal vollbracht worden war. Andere fühlten sich dazu gedrängt, wieder in die Dunkelheit hinauszugehen und das zu versuchen, wofür sie um die halbe Welt geflogen waren.
 

Rotar gehörte zu den sieben Bergsteigern, die sich zum Weitergehen entschlossen. Er kehrte erst Stunden später um, als er auf eine unerwartete Gletscherspalte stieß. Drei andere Bergsteiger konnten sie überqueren und setzten ihren Weg fort. Als sie nicht zurückkehrten, geriet eine fieberhafte Suche in den Mittelpunkt der weltweiten Medienberichterstattung, während Militärhubschrauber und sogar ein Kampfjet den K2 absuchten.
 

Alle drei Männer starben in jener Nacht. Es sollte Monate dauern, bis ihre gefrorenen Leichen gefunden werden konnten. Als Rotar in dieser Woche mit einem vertrauten Gefühl der Angst die Nachrichten über das Tauchboot Titan verfolgte, dachte er über die Abwägungen nach, die wohlhabende Abenteurer treffen, wenn sie vor dieser entscheidenden Frage stehen: Bleiben wir oder gehen wir?
 

„Es sind dieselben Menschen, die dieselbe Anziehungskraft verspüren, ganz gleich, ob es darum geht, tief unter das Meer hinabzutauchen, sehr hoch zu klettern oder sehr weit zu laufen“, sagt er. „Es ist eine Art Krankheit, wie ein Gift in den Adern, das einen zum Aufbruch drängt. Denn man möchte dieses wunderbare Gefühl erleben, das sich einstellt, wenn die Gefahr vorüber ist und man weiß, dass man etwas erreicht hat. Danach weiß man nicht einmal mehr, wie man zuvor gelebt hat, also kehrt man zurück und tut es wieder.“