Die direkte Herstellung von Kompositfüllungen (weißen Füllungen) im Seitenzahnbereich (Molaren und Prämolaren) kann ein zeitaufwendiges und sehr techniksensitives Verfahren sein, das in einer stark frequentierten Praxis später zu Problemen führen kann, die bei der Verwendung von klassischem Amalgam sonst nicht auftreten würden. Die Verwendung von Amalgam erlaubt ein weniger kompliziertes und schnelleres Vorgehen bei der Füllungsherstellung; besonders in letzter Zeit steigen jedoch die ästhetischen Ansprüche immer weiter. Hinzu kommt, zumindest meiner Meinung nach, eine unbegründete und übertriebene Angst vor der Toxizität der Amalgambestandteile.
 
Eine Kompositfüllung kann grundsätzlich hinsichtlich Belastbarkeit und Haltbarkeit dem nahezu unverwüstlichen Amalgam ähnlich sein, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich der Zahnarzt für ihre Herstellung deutlich mehr Zeit nimmt als für eine Amalgamfüllung. Bei der Herstellung einer Kompositfüllung im Seitenzahnbereich lassen sich vorhersagbare Ergebnisse nur durch schrittweises Einbringen und jeweiliges Aushärten des Materials erzielen. Dadurch wird der Einfluss der Polymerisationsschrumpfung auf die Qualität des Randschlusses vermindert. Die Technik ist anspruchsvoll und komplex, da jede Schicht, die nicht vorschriftsgemäß eingebracht wird, eine Ursache für einen Misserfolg sein kann. In den letzten Jahren werden zunehmend Komposite entwickelt, die die oben beschriebene Problematik deutlich reduzieren sollen, da die Hersteller zufriedenstellende Ergebnisse trotz eines schnellen und einfachen Einbringens des Komposits in die Kavität versprechen (ähnlich wie bei Amalgam).
 
Die Technik des Einbringens in bis zu 4 mm dicken Schichten wird als „Bulk“-Technik bezeichnet und ist wesentlich schneller und einfacher als die klassische schichtweise Applikation. Materialien (Tetric EvoCeram) sollen anderen Kompositen in dieser Hinsicht überlegen sein, da ihr geringerer Polymerisationsstress in der Folge zu einer geringeren Permeabilität des ausgehärteten Materials und zu einem besseren Randschluss führen soll. Dies bedeutet eine geringere Wahrscheinlichkeit für eine Überempfindlichkeit des Zahns nach der Füllungsherstellung und eine geringere Wahrscheinlichkeit für Sekundärkaries. Für die Bulk-Technik bestimmte Materialien besitzen im Vergleich zu anderen Kompositen eine etwas veränderte Zusammensetzung. Sie enthalten verschiedene Glasfüller und zwei Partikelgrößen: Glaspartikel, Ytterbiumfluorid, Mischoxide und bereits polymerisierte Partikel, deren Brechungsindex auf die Monomermischung abgestimmt ist, wodurch das Ausmaß der Schrumpfung reduziert wird. Die Materialien enthalten außerdem einen reaktiven Polymerisationsbeschleuniger, sodass eine vier Millimeter dicke Schicht auch in Bereichen gleichmäßig polymerisiert, die nicht direkt mit blauem Licht bestrahlt werden. Derzeit sind die Materialien in drei Grundfarben erhältlich, was für die Herstellung von Füllungen im Seitenzahnbereich, wo die Füllungsdicke aus Sicht der Aushärtung problematisch ist, grundsätzlich völlig ausreichend ist.